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Vitamin K2: der vergessene Partner von Vitamin D

Vitamin-K2-Quellen: Milch, gereifter Käse, Natto und Blattgrün

Das erwartet dich

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Kurz gesagt: Vitamin D erhöht die Calciumaufnahme aus dem Darm, aber ob Calcium anschließend in den Knochen eingebaut oder aus den Gefäßen ferngehalten wird, hängt von Vitamin-K-abhängigen Proteinen ab. Vitamin K2 (Menachinon) aktiviert genau diese Proteine. Deshalb gelten beide Vitamine als funktionelle Partner – auch wenn ein direkter klinischer Nutzen der Kombination beim Menschen noch nicht abschließend belegt ist.

Was Vitamin K2 im Körper leistet

Vitamin K dient im Körper als Cofaktor für ein Enzym, das bestimmte Proteine durch sogenannte Carboxylierung aktiviert. Zwei dieser Proteine sind für die Calciumsteuerung besonders relevant – und sie wirken in gegensätzliche Richtungen.

Osteocalcin wird in aktivierter (carboxylierter) Form in die Knochenmatrix eingebunden und ist an der Mineralisierung des Knochens beteiligt. Ist zu wenig Vitamin K verfügbar, bleibt ein größerer Anteil des Osteocalcins untercarboxyliert – ein Marker, der in Beobachtungsstudien mit geringerer Knochenmineraldichte in Verbindung gebracht wurde.

Das zweite Protein ist das Matrix-Gla-Protein (MGP). In aktivierter Form hemmt es die Einlagerung von Calcium in Weichgewebe, insbesondere in die Gefäßwände. In Beobachtungsstudien geht ein hoher Anteil an inaktivem, untercarboxyliertem MGP (gemessen als dp-ucMGP) mit stärkerer arterieller Verkalkung einher. Umgekehrt kann eine höhere K2-Zufuhr den dp-ucMGP-Spiegel senken. Wichtig einzuordnen: Diese Daten zeigen einen Zusammenhang und einen plausiblen Mechanismus, aber ein Beweis, dass eine K2-Supplementierung harte Endpunkte wie Herzinfarkte verhindert, steht für die Allgemeinbevölkerung noch aus.

Diskutiert wird außerdem eine mögliche Rolle des aktiven Osteocalcins im Glukosestoffwechsel. Tierstudien deuten darauf hin, dass Osteocalcin die Insulinausschüttung und Insulinsensitivität beeinflussen könnte, und K2-arme Tiere zeigten in einzelnen Modellen Störungen bis hin zu einer Insulinresistenz. Beim Menschen ist diese Verbindung bislang nicht belegt und sollte als offene Forschungsfrage verstanden werden.

Warum die Kombination von Vitamin D und K2 diskutiert wird

Vitamin D steigert die Aufnahme von Calcium und erhöht auch die Bildung von Proteinen wie Osteocalcin und MGP. Aktivieren kann Vitamin D diese Proteine jedoch nicht – dafür wird Vitamin K benötigt. Aus diesem Zusammenspiel leitet sich die verbreitete Hypothese ab, dass eine hohe Vitamin-D-Zufuhr den Bedarf an Vitamin K erhöhen könnte, weil mehr K-abhängige Proteine zur Aktivierung bereitstehen.

Diese Überlegung ist mechanistisch nachvollziehbar, aber sie ist noch keine belegte klinische Tatsache. Kontrollierte Studien, die zeigen, dass Vitamin D ohne ausreichend K2 beim Menschen tatsächlich zu mehr Gefäßverkalkung führt, fehlen bislang. Wer hoch dosiertes Vitamin D einnimmt, sollte daher weniger von einem „Muss“ als von einer sinnvollen, gut verträglichen Vorsichtsmaßnahme ausgehen – idealerweise in Absprache mit ärztlicher Begleitung. Wer sich für das Zusammenspiel von Mineralstoffen interessiert, findet dazu bei uns weitere Artikel.

Vitamin K2 aus der Nahrung: MK-4 und MK-7

Vitamin K2 kommt in mehreren Formen vor; ernährungsrelevant sind vor allem MK-4 (tierische Produkte) und die langkettigen Menachinone MK-7 bis MK-9 (fermentierte Lebensmittel). MK-7 hat eine deutlich längere Halbwertszeit im Blut als MK-4 und bleibt nach der Aufnahme über etwa zwei bis drei Tage nachweisbar, während MK-4 innerhalb weniger Stunden aus dem Blut verschwindet (Quelle). Für Nahrungsergänzungsmittel wird deshalb häufig MK-7 verwendet.

Die mit Abstand reichste natürliche MK-7-Quelle ist das fermentierte Sojaprodukt Natto. Käse und Eigelb tragen ebenfalls bei, in deutlich kleineren Mengen und teils in Form von MK-4 oder MK-9. Die folgenden Werte sind Orientierungsgrößen; die tatsächlichen Gehalte schwanken stark je nach Herstellung, Reifung und Fütterung der Tiere.

Lebensmittel Vorherrschende K2-Form Ungefährer Gehalt (µg / 100 g)
Natto (fermentierte Sojabohnen) MK-7 ca. 900–1.100 (überwiegend MK-7)
Hartkäse (z. B. Gouda, gereift) MK-8 / MK-9, etwas MK-7 ca. 40–75 (gesamt K2)
Weichkäse MK-8 / MK-9 ca. 30–55 (gesamt K2)
Eigelb MK-4 stark schwankend, oft ca. 15–30

Orientierungswerte; Natto als herausragende MK-7-Quelle ist gut dokumentiert (Quelle). Käse- und Eigelbgehalte variieren erheblich je nach Sorte und Herkunft.

Dosierung und Orientierung zum D3:K2-Verhältnis

Für Vitamin K2 gibt es keine offiziell festgelegte optimale Supplementierungsdosis und auch kein verbindliches „D3:K2-Verhältnis“ – die folgenden Angaben sind lediglich eine in der Praxis verbreitete Orientierung, keine amtliche Empfehlung. Häufig genannt werden 100 bis 200 µg K2 als MK-7 pro Tag; als grobe Faustregel kursieren etwa 75–100 µg MK-7 je 1.000 IE Vitamin D3.

Vitamin D3 (pro Tag) Häufig genannte K2-Orientierung (MK-7)
1.000 IE ca. 75–100 µg
2.000 IE ca. 100–150 µg
4.000 IE ca. 150–200 µg

Zur Sicherheit: Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat für Vitamin K keinen Tolerable Upper Intake Level (also keine offizielle sichere Obergrenze) festgelegt, weil die Datenlage dafür nicht ausreicht; berichtete Nebenwirkungen aus Lebensmitteln oder Präparaten liegen nicht vor (Quelle). Der oft zitierte Wert von 75 µg pro Tag ist kein Sicherheitslimit, sondern der EU-Referenzwert für die Nährwertkennzeichnung. Die EFSA leitet als Adequate Intake für Erwachsene rund 70 µg Vitamin K pro Tag ab (Quelle).

Da K2 ein fettlösliches Vitamin ist, verbessert die Einnahme zu einer fetthaltigen Mahlzeit die Aufnahme. Wer den funktionellen K-Status objektiv einschätzen möchte, kann mit ärztlicher Begleitung einen dp-ucMGP-Test durchführen lassen.

Wichtiger Warnhinweis: Vitamin K und Blutverdünner

Vitamin K beeinflusst die Blutgerinnung. Menschen, die Vitamin-K-Antagonisten als Blutverdünner einnehmen – etwa Phenprocoumon (Marcumar) oder Warfarin – dürfen Vitamin K (K1 oder K2) nicht eigenmächtig supplementieren. Zusätzliches Vitamin K kann die Wirkung dieser Medikamente abschwächen und den INR-Wert verändern. Auch eine plötzliche starke Änderung der Vitamin-K-Zufuhr über die Ernährung kann die Einstellung beeinflussen. Wer solche Medikamente nimmt, sollte jede K2-Einnahme ausschließlich nach ärztlicher Rücksprache und unter Kontrolle der Gerinnungswerte erwägen.

Wer besonders auf die K2-Versorgung achten sollte

Frauen nach den Wechseljahren verlieren durch den sinkenden Östrogenspiegel schneller an Knochendichte. In der Prospect-EPIC-Kohorte mit 16.057 Frauen (Gast et al., 2009) war eine höhere Zufuhr von Vitamin K2 (Menachinon) mit einem geringeren Risiko für koronare Herzkrankheit assoziiert; pro 10 µg K2 täglich sank das Risiko rechnerisch leicht, getragen vor allem von den langkettigen Formen MK-7, MK-8 und MK-9 (Quelle). Es handelt sich um eine Beobachtungsstudie – sie zeigt einen Zusammenhang, keinen Beweis für Ursache und Wirkung.

Ein Hinweis zur Einordnung eines häufig verbreiteten Arguments: Der oft zitierte Nutzen von Vitamin K2 gegen Wirbelkörperfrakturen stammt überwiegend aus japanischen Studien, die MK-4 in pharmakologischer Hochdosis (45 mg pro Tag, also das rund 300-Fache üblicher Nahrungsergänzungsmengen) einsetzten. Diese Ergebnisse lassen sich nicht auf die ernährungsüblichen MK-7-Mengen von 100–200 µg übertragen.

Auch Menschen mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, Zöliakie oder nach Operationen am Magen-Darm-Trakt können durch eine gestörte Fettresorption schlechter mit fettlöslichen Vitaminen versorgt sein. Für sie kann eine ärztliche Überprüfung des Status sinnvoll sein. Wer seine Vitamin-D-Versorgung optimiert, kann K2 als gut verträglichen Partner mitdenken.

FAQ

Muss ich zu Vitamin D immer K2 einnehmen?

Nein, zwingend nachgewiesen ist das nicht. Die Kombination ist mechanistisch plausibel und gut verträglich, aber es gibt keine belastbaren Studien, die zeigen, dass Vitamin D ohne K2 beim gesunden Menschen schadet. K2 kann als sinnvolle Ergänzung gesehen werden, ist aber kein Pflichtbestandteil.

Wie viel K2 ist sinnvoll?

In der Praxis werden häufig 100–200 µg MK-7 pro Tag genutzt. Eine offizielle optimale Dosis existiert nicht, und die EFSA hat keine sichere Obergrenze festgelegt. Bei bestehenden Erkrankungen oder Medikamenteneinnahme sollte die Dosis ärztlich abgeklärt werden.

MK-4 oder MK-7 – was ist besser?

MK-7 bleibt länger im Blut aktiv (Halbwertszeit im Bereich von Tagen) und lässt sich daher gut einmal täglich dosieren. Für die Supplementierung wird deshalb meist MK-7 bevorzugt.

Darf ich K2 mit Blutverdünnern kombinieren?

Nicht eigenmächtig. Wer Vitamin-K-Antagonisten wie Phenprocoumon (Marcumar) oder Warfarin einnimmt, muss vor jeder K2-Einnahme ärztlich Rücksprache halten, da Vitamin K die Medikamentenwirkung und die Gerinnungswerte beeinflusst.

Fazit

Vitamin K2 aktiviert Proteine, die steuern, wohin Calcium im Körper gelangt – in die Knochen statt in die Gefäßwände. Das macht es zu einem plausiblen Partner von Vitamin D, auch wenn ein harter klinischer Nutzen der Kombination beim Menschen noch nicht bewiesen ist. Wer Vitamin D supplementiert, kann K2 als MK-7 in moderater Dosis ergänzen – mit einer wichtigen Ausnahme: Bei Einnahme von Blutverdünnern ist eine K2-Supplementierung nur nach ärztlicher Rücksprache vertretbar.

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